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Staus an den Tankstellen: Irans Treibstoffkrise verschärft sich


Die Benzinknappheit im Iran, daraus resultierende Beschränkungen für das Tanken und Gerüchte über eine bevorstehende Preiserhöhung haben zu langen Schlangen an den Tankstellen im ganzen Land geführt.


Der Stau an den Tankstellen begann Anfang des Monats in kleinen Städten, aber seit Dienstag sind in den sozialen Medien zahlreiche Videos aufgetaucht, die lange Schlangen von Fahrzeugen zeigen, die in der Hauptstadt Teheran, in Kerman, Karaj, Kermanshah sowie in mehreren Städten in den Grenzprovinzen darauf warten, tanken zu können. Trotz des wiederholten Leugnens einer Treibstoffkrise durch die staatlichen Medien, welche die Unterbrechung der Versorgungskette auf den Sommerurlaub und die Reisen der Iraner zurückführen, könnten sich die Autoschlangen als Vorspiel für erneute Proteste erweisen, die das Land noch vor dem Jahrestag der letztjährigen Proteste Mitte September treffen.


Der Regierung und der Revolutionsgarde nahestehende Medien haben in den vergangenen Tagen mehrere Berichte veröffentlicht, in denen behauptet wurde, technische Probleme wie defekte Zapfsäulen und Zapfpistolen seien die Ursache für das Problem. Die Zeitung Jam-e Jam, die dem staatlichen iranischen Rundfunk gehört, erklärte, dass Verzögerungen bei der Lieferung von Treibstoff an die Tankstellen und Probleme mit den Chipkarten, welche die Rationen der Kunden überwachen, die Krise verursacht hätten.


Inzwischen gibt es Berichte, dass sich in mehreren Städten ein Schwarzmarkt für Treibstoff gebildet habe, dessen Preise sich dem internationalen Niveau annähern. Die iranische Regierung, die eine der größten Öl- und Gasreserven der Welt kontrolliert, verkauft Benzin zu extrem niedrigen, subventionierten Preisen, die weniger als 2,75 Cent pro Liter betragen, während die Preise der benachbarten, ebenfalls ölfördernden Länder viel höher sind und sich an den internationalen Marktpreisen orientieren. Nach Venezuela hat der Iran den weltweit günstigsten Benzinpreis.


Währungsverfall und Wirtschaftskrise


Nach Angaben der reformorientierten Zeitung Ham-Mihan wird in mehreren Städten der Provinz Sistan-Belutschistan ein 20-Liter-Kanister Benzin für 7,50 Euro verkauft, also um etwa sieben- bis achtmal mehr als der staatliche Preis.


Einer der Hauptgründe dafür, dass es der Islamischen Republik nicht gelungen ist, angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise die offiziellen Preise zu erhöhen, ist die Tatsache, dass sie seit September 2022 mit der schlimmsten Unruhewelle seit Jahren konfrontiert ist. Eine Erhöhung der Kraftstoffpreise würde die Gefahr bergen, diese Unruhen weiter anzufachen.


Seit Jahren wird über eine Preisanpassung gesprochen, aber seit 2018 ist die iranische Währung um das Zwölffache gefallen, und jede Erhöhung müsste enorm sein, um diesen Wertverfall auszugleichen. Im November 2019 löste eine Entscheidung der Regierung, die Kraftstoffpreise um 50 bis 200 Prozent zu erhöhen, landesweite Unruhen aus, die zwei Wochen lang andauerten. Bei der Niederschlagung dieser Proteste töteten die Regimekräfte an die 1.500 Zivilisten.


Der Iran kämpft mindestens seit Beginn des Sommers 2022 mit Benzinknappheit und war gezwungen, bis Ende letzten Jahres ein Drittel seiner strategischen Reserven freizugeben. Eine Quelle im Ölministerium teilte gegenüber Iran International mit, dass die National Iranian Oil Refining and Distribution Company (NIORDC) rund 900 Millionen Liter strategischer Benzinreserven auf den Markt gebracht hat. Ein Beamter des Ölministeriums teilte Iran International am Montag außerdem mit, Russland habe seine Benzinexporte in den letzten Monaten in den Iran eingestellt, was die Misere noch vergrößert.





Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von mena-watch

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