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Die Zerbrechlichkeit eines Aufstands – neue Ausstellung „Women-Life-Freedom“


Sechs international tätige Künstlerinnen, die aus dem Iran stammen, ihre Heimat aus politischen Gründen verlassen mussten und in unterschiedlichen Ländern leben und arbeiten, stellen bis 18. Februar 2024 im Saarlandmuseum in Saarbrücken (Webseite) ihre Kunst vor. Die Ausstellung „Women-Life-Freedom“ unterstützt die Frauen im Iran in ihrem Kampf für ein selbstbestimmtes und freies Leben in der aktuellen Bewegung „Frau Leben Freiheit“.



Über 32 Werke, die aus unterschiedlichen Kunstformen wie Zeichnungen, Radierungen, Pop-Art-ähnliche Plakate, Installationen und Video-Kunst bestehen, werden ausgestellt. Sie alle setzen sich mit den blutigen Protesten gegen das Mullah-Regime auseinander.

Parastou Forouhar, dokhtaran e enghelab (Frauen der Revolutionsstraße), aus der Serie „Papillon Collection II“, 2020-2023 (Detail), Digitale Zeichnung, gedruckt auf Photo-Rag - Parastou Forouhar, 2023


Über die Künstlerinnen und ihre Werke


Parastou Forouhar ist in Teheran/Iran geboren und lebt und arbeitet seit 1991 in Deutschland

In ihren Werken spielen sowohl Folter und die Unterdrückung von Frauen als auch die Liebe zur persischen Dichtung eine große Rolle, wie sie im Interview mit dem SWR erzählt.

Ihr Kunstwerk „dokhtaran e enghelab“ („Frauen der Revolutionsstraße“) zeigt einen Schmetterling als Metapher für die Zerbrechlichkeit eines Aufstands. „Die Verbindung zum Motiv Schmetterling habe ich gefunden vor allem im Namen meiner Mutter Parvaneh, was auf Persisch Schmetterling bedeutet“, so die Künstlerin im Interview mit arte.tv. In ihrer Serie „Papillon Collection“ werden Schmetterlinge als Symbol für den Gegensatz zwischen Freiheit und Unterdrückung dargestellt. Dafür nimmt sie ein für den Jugendstil signifikantes Phänomen im Blick: das systematische Ornament. „Vor dem Hintergrund diktatorischer Herrschaftsformen hinterfragt die Künstlerin seine Aussagekraft für die Gegenwart. Mit seiner alten Dynamik zwischen Form und Inhalt, reiner Ordnung und Symbol kaschiert das Ornament die Sprache der Gewalt, der Brutalität und Unterdrückung, derer sich totalitäre Regime bedienen“, beschreibt das Badische Landesmuseum.


Homa Emami, geboren in Islamabad/Iran, lebt seit 1986 in Deutschland. Sie ist seit 1995 Dozentin an der Kunst- und Musikschule Brühl. Aus Ringen aus abgeschnittenem Haar hat Emami eine „Rüstung des Widerstands“ kreiert.


Samira Hodaei ist in Teheran geboren und lebt und arbeitet zwischen Teheran und Berlin. Ihre Kunst interagiert mit der iranischen Kultur und Identität und basiert auf der Geschichte des Öls und dessen Einfluss auf das Leben der Menschen im Iran. In der Installation „Cinema Europe“ sieht man Frauenportraits. Blumen blühen in glänzenden Farben vor den Gesichtern. „Cinema Europe“ war einst ein kultureller Ort der Begegnung in Teheran; ein Kino, das heute nicht mehr existiert.


Simin Keramati, geboren in Teheran, lebt und arbeitet in Toronto und behandelt mit Malerei, Zeichnung, Videokunst und neuen Medien sozialpolitische Themen. Keramati stellt ein dreiteiliges Video vor, das inspiriert ist von der persischen Liebesgeschichte „Layli & Majnun“. Das Pendant zu dieser Liebesgeschichte in der westlichen Kultur ist Shakespeares „Romeo & Julia“. In dieser Videoinstallation laufen drei Videos gleichzeitig ab. Die beiden seitlichen Videos zeigen Layli, die Briefe an Majnun vorliest. Das Video in der Mitte zeigt Majnun so, wie Layli ihn sich vorstellt, jung und schön.


Roshi Rouzbehani ist eine freiberufliche Illustratorin mit Sitz in London. Sie setzt sich für die Gleichstellung der Geschlechter ein und illustriert soziale und psychische Gesundsheitsthemen.

„In meinen Illustrationen versuche ich den Kampf meines Volkes zu feiern und meine Solidarität zu zeigen“, erklärt Rouzbehani im Interview mit creativeboom.com. In der Ausstellung präsentiert sie einen meterlangen vertikalen Fries mit einer hochgereckten Faust, die eine Haarsträhne hält – symbolisch für das Abschneiden der Haare als Protestform iranischer Frauen.


Jinoos Taghizadeh ist in Teheran geboren. Sie hat in den letzten 30 Jahren als interdisziplinäre Künstlerin gearbeitet und an zahlreiche Ausstellung im In- und Ausland teilgenommen. Sie ist Aktivistin für Bürgerrechte und Umweltfragen und kämpft gegen die Zensur im Iran. Ihr Kunstwerk aus der Serie „Have you heard anything?“ zeigt einen verletzten Wal gestrandet auf einem menschenleeren Platz vor einem repräsentativen Gebäude. Der Wal wird mit dem Volk und den Frauen identifiziert.

Das folgende Video zeigt Jinoos Taghizadeh und Roshi Rouzbehani im Gespräch über die Iran-Revolution und die Rolle der iranischen Künstlerinnen.



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